Für Janne M. stand schon in der 8. Klasse fest, dass er nach der Schule zur Bundeswehr gehen will. Mit 17 war es soweit, doch schon nach einer Woche kündigte er. Wie er sich seine Karriere bei der Bundeswehr vorstellte und warum er sich so schnell dagegen entschied, erzählt Janne in unserem Gespräch.

Wie bist du mit 17 Jahren zur Bundeswehr gekommen?

Ich war in der 8. Klasse als die Bundeswehr-Serie „Die Rekruten“ auf YouTube erschien. Ich schaute sie komplett, kam so auf den Gedanken Bundeswehr und informierte mich weiter. Ich wollte klar in die militärische Richtung und nicht in die zivile, weil ich ins Ausland wollte. Als es darum ging, die eigene Zukunft zu planen, vereinbarte ich ein Beratungsgespräch im Karrierecenter der Bundeswehr.

Wie alt warst du bei dem Beratungsgespräch?

Ich war etwa sechzehneinhalb. Bei dem Beratungsgespräch wurde mir gesagt, was ich schon vorher wusste. Dass ich noch sehr jung sei, wo ich hingehen und was meine Aufgaben sein könnten. So hatte ich seit der 8. Klasse das Ziel, zur Bundeswehr zu gehen und habe das auch erst einmal durchgezogen.

Warum wolltest du unbedingt ins Ausland?

Ich hatte schon immer den Wunsch, Menschen zu helfen. Ich wollte etwas bei der Bundeswehr machen, wobei ich die Welt sehe und mit Menschen in Kontakt bin.

Mir war auch bewusst, dass es die „Soldatenkrankheit“ PTBS gibt. Ich habe mir nicht nur diese Bundeswehr-Serien angeschaut, sondern auch Dokumentationen über Auslandseinsätze und ihre Folgen.

Hast du in der Zeit schon mit Freunden und deiner Familie über deine Entscheidung gesprochen?

Ja, ich erzählte als erstes meinen Eltern, dass ich zur Bundeswehr gehen will. Meine Mutter war von Anfang an der richtigen Meinung als sie sagte, dass ich nach einem Tag wieder da bin, auch wenn es letztendlich doch eine Woche gedauert hat.

Es war aber niemand in meinem Umfeld dagegen — außer der Sozialarbeiter an meiner ehemaligen Realschule. Seine Frau war voll dagegen, dass Minderjährige Soldaten werden. Das war ein großer Punkt für die beiden.

Hat das Alter denn für dich eine Rolle gespielt?

Damals dachte ich gar nicht darüber nach, zu jung für die Bundeswehr zu sein. Jetzt weiß ich, dass ich es war. Ich hätte einfach noch ein bisschen warten sollen und hätte dann Soldat werden können. Stattdessen dachte ich, wenn ich jetzt zur Bundeswehr gehe, habe ich starke Aufstiegschancen und kann richtig Karriere machen, weil ich noch so jung bin. So habe ich das damals gesehen.

Hattest du einen Plan B, falls das mit der Bundeswehr nicht geklappt hätte?

Zur Bundeswehr zu gehen, war eigentlich mein einziger Plan. Viele Leute aus meinem Umfeld sagten mir, dass ich sehr kommunikativ und sozial bin und warum ich nicht lieber in den sozialen Bereich gehe.

Für welchen Werdegang in der Bundeswehr hast du dich entschieden?

Langfristig wollte ich Berufssoldat werden, mich also für 13 Jahre verpflichten. Mein Plan war aber, mich erst einmal nur für zwei Jahre zu verpflichten, um leicht anzufangen. Bei dem Beratungsgespräch wurde mir gesagt, dass zwei Jahre nicht so viel brächten und ich lieber vier Jahre machen solle. Das habe ich dann gemacht, weil es mir empfohlen wurde. Aufgrund der sechsmonatigen Ausstiegsfrist hatte ich das Gefühl, genug Zeit zu haben, um zu entscheiden, ob und wie lange ich mich weiter verpflichten möchte.

Wärst du innerhalb der sechs Monate noch volljährig geworden?

Nein, ich bin im Mai 17 geworden und Anfang Oktober war der Beginn der Grundausbildung.

Was wäre passiert, wenn du die Bundeswehr nach den sechs Monaten hättest verlassen wollen?

Das wurde mir ehrlich gesagt nicht erklärt. Das hätte wirklich besser kommuniziert werden müssen. Es gibt ja schließlich auch die Feldjäger, die Polizei der Bundeswehr, die zu dir nach Hause kommen, wenn du nicht in der Kaserne auftauchst. Du musst dich in den sechs Monaten entscheiden — und das lieber zu früh als zu spät, denn mit den Feldjägern willst du dich nicht anlegen.

Wieso hast du die Bundeswehr dann letztendlich schon nach einer Woche verlassen?

Die erste Woche war vorbei und ich bin über das Wochenende nach Hause gefahren. Ich musste viel über die letzten Tage nachdenken und habe für mich festgestellt, dass ich mit dieser Grundanspannung, die ich jeden Tag hatte, nicht länger klarkomme. Jeden morgen war ich nervös vor dem Tag, hatte Bauchschmerzen und konnte nichts essen — immer mit dem Gedanken im Kopf, gleich wieder angeschrien zu werden. Außerdem konnte ich durch diese Grundanspannung nicht mehr richtig schlafen. Ich habe schon geschlafen, aber mir war untergründig bewusst, gleich wirst du wieder aus dem Bett geschrien und sobald du daran denkst, ist es soweit und du musst zu 100 Prozent da sein. Ich wusste, dass ich funktionieren muss und hatte Angst, es nicht zu tun.

Wir hatten eine Tafel, an die anonym geschrieben wurde, wer etwas nicht konnte oder wenn eine Zeit für irgendeine Aufgabe nicht eingehalten wurde. Sobald eine Kleinigkeit nicht lief, wurde diese von dem Zugführer vor der ganzen Gruppe angesprochen. Natürlich ist das Teil der militärischen Erziehung. Man könnte jetzt sagen, daran gewöhnt man sich schon, aber für mich war es der Punkt, an dem ich gesagt habe, ich kann mein Leben auch entspannter leben. Aufgrund dieser Dinge war ich mir sicher, dass ich bei der Bundeswehr nicht glücklich werde und kündigte nach dem Wochenende. Das sagte ich auch meinen Kameraden und meinen Ausbildern und dass ich vorhabe, etwas im sozialen Bereich zu machen. Jetzt habe ich ein FSJ gemacht und fange eine Ausbildung an. Das war trotz des Jahres Leerlauf in meinem Lebenslauf, die richtige Entscheidung.

Interview: Leoni Gau

Sebastian S. ist mit 17 Jahren zur Bundeswehr gegangen. In unserem Gespräch erzählt er von den mentalen Auswirkungen, die seine Entscheidung mit sich brachten.

Du bist mit 17 Jahren zur Bundeswehr gegangen. Warum?

Ich war in der 10. Klasse am Ende meiner regulären Schulzeit angelangt und hatte keine Lust mehr auf Schule, wusste aber auch nicht, was ich arbeiten wollte. Ich spielte schon immer mit dem Gedanken, zur Polizei zu gehen. Das traute ich mir aber nicht zu. Zu diesem Zeitpunkt lief damals eine riesige Kampagne der Bundeswehr, die ich mit meinen 17 Jahren sah und mir dachte, warum nicht zur Bundeswehr gehen, ein bisschen Abenteuerspielplatz erleben.

Hast du so die Kampagne der Bundeswehr wahrgenommen?

Absolut. Sie brachten quasi Comics. Die Kampagne war stark auf dieses Abenteuerliche, Wilde ausgelegt. Sie vermittelten dir, dass du als Soldat absolut männlich und kämpferisch sein würdest. Damals sagte mir das zu. Ich bewarb mich und wurde angenommen.

Wie war das Auswahlverfahren?

Ursprünglich wollte ich eine Unteroffizierslaufbahn als Feldwebel machen. Dafür hielt mich die Bundeswehr jedoch zu jung. Gleichzeitig boten sie mir eine Mannschafter-Laufbahn an. Ich konnte mich für eine Verpflichtung auf vier oder acht Jahre entscheiden und nahm natürlich die vier Jahre, obwohl sie mich von den acht Jahren überzeugen wollten.

Spielte die finanzielle Absicherung eine Rolle für dich?

Auf jeden Fall. Mir war bewusst, dass ich sehr gut davon leben und Geld sparen kann. Ich wusste von vornherein, dass mir die vier Jahre zeigen werden, ob ich Soldat bleiben oder etwas anderes machen möchte. Ich sah die Möglichkeit, mich in den nächsten Jahren selbst zu finden.

Was waren deine ersten Eindrücke in der Bundeswehr?

Meine dreimonatige Grundausbildung, die ich in Sachsen absolvierte. Das war eine wirklich schöne Zeit. Es gab viel zu tun und es war körperlich sehr anstrengend. Dadurch, dass diese drei Monate wirklich fordernd waren, wuchs ich auch mit den anderen Soldaten zusammen. Ich blicke gerne auf diese Zeit zurück.

Sahen so deine Erwartungen an deine Zeit bei der Bundeswehr aus?

Ja, denn die Grundausbildung hatte dieses Abenteuerliche. Ich wusste zwar, dass es danach ruhiger werden würde. Und dennoch, in meiner Stammeinheit kam schnell der Bundesalltag, der mich zurück in die Realität holte und mich merken ließ, dass hier vor allem Nichtstun auf der Tagesordnung steht.

In meiner neuen Kaserne, die im Nirgendwo mitten im Wald lag, wartete erst einmal nur der Telefonposten auf mich. Diese Arbeit mussten alle neuen Soldaten übernehmen. Somit hatte ich für ein, zwei Stunden am Tag etwas zu tun. Den Rest des Tages hing ich nur rum.

Aber wie sah dann so ein Tag in der Kaserne aus?

Man lag einfach im Bett und machte gar nichts. Klar, manchmal gab es Aufgaben wie „räumt den Keller auf“, „fegt das und das“ oder „beladet die Panzer“, aber abgesehen davon verbrachten wir die meiste Zeit nur auf dem Zimmer und machten nichts.

Das ist auch ein Grund für den massiven Alkoholmissbrauch in der Truppe. Aufgrund der Langeweile finden regelmäßige Besäufnisse statt. Viele Soldaten sind unzufrieden und das schlägt sich auch auf den Arbeitsalltag nieder, sodass man mit weniger Motivation an die Arbeit geht und hier und da kleine Verstöße begeht, die einem das Leben etwas erleichtern. Teilweise war die Luft wirklich so dick, dass man sie hätte greifen können.

Wie war der Zusammenhalt in der Kameradschaft? Wurdest du gut integriert?

Ich wurde gut aufgenommen, weil ich mich in der ersten Zeit sehr anpasste. Will man diese Kameradschaft wirklich spüren, dann muss man sich anpassen. Irgendwann habe ich jedoch meinen eigenen Kopf entwickelt.

Spielten Hierarchien eine Rolle?

Die Hierarchien waren bei den Dienstgraden massiv spürbar. Zwischen Mannschaftern und Feldwebel-Unteroffizieren gab es ein starkes Gefälle. Die Offiziere waren die absoluten Götter, die Unteroffiziere Halbgötter und die Mannschafter standen ganz unten.

Hatte das Auswirkungen auf dich?

Gerade psychisch gesehen war das eine schwere Belastung. Zum einen aufgrund des Miteinanders der Dienstgrade, zum anderen aufgrund der Perspektivlosigkeit durch das Nichtstun.

Hast du eine psychologische Beratung in Anspruch genommen?

Ja. Ich bekam echt Probleme, da es mir mental und körperlich immer schlechter ging, was sich auch auf meine Leistung auswirkte. Ich ging zum Arzt, der mich an die Truppenpsychologie verwies. Es wurde zu der Zeit immer schlimmer, bis ich dann ins Bundeswehrkrankenhaus kam. Dort wurde festgestellt, dass ich eine durch Stress ausgelöste Vorstufe von Schizophrenie entwickelt habe. Die habe ich mittlerweile mit Medikamenten im Griff, sodass ich jetzt soweit auch wieder klar im Kopf bin.

Bereust du deine Entscheidung, zur Bundeswehr gegangen zu sein?

Nein. Auf der einen Seite gab es beschissene Zeiten. Auf der anderen Seite habe ich viel über mich selbst gelernt. Ich bildete mir dort eine eigene Meinung. Jetzt weiß ich, was ich machen möchte und was nicht. Wenn meine Zeit bei der Bundeswehr vorbei ist, möchte ich mein Abitur nachholen und auf Lehramt studieren. Die vier Jahre waren eine lange Zeit und sie hatten einen hohen Preis, aber ich bereue die Entscheidung nicht.

Du hast dich verändert und weiterentwickelt während deiner Zeit bei der Bundeswehr. Hat sich denn die Bundeswehr in den vier Jahren verändert?

Nein, gar nicht.

Bist du trotz alledem jemandem aus deiner Zeit dort dankbar?

Meinem besten Freund. Ich habe ihn in der Bundeswehr kennengelernt und wir machen das Gleiche durch. Wir wissen beide, dass der andere leidet und unterstützen uns gegenseitig. Zusammen stehen wir diese Zeit besser durch.

Interview: Leoni Gau

Unsere Kampagne hat vier Fragen bei CDU/CSU, SPD, FDP, den Linken und den Grünen eingereicht um ihre jeweilge Position zum Thema Minderjährige in der Bundeswehr abzufragen. Von der Union, den Grünen und den Linken haben wir bereits Antworten erhalten.

Bitte nutzen Sie unsere Vorlage und fragen auch Sie Ihre Bundestagsabgeordneten und -kandidaten nach ihrem Standpunkt. Schriftlich per Brief oder Mail, telefonisch oder online bei www.abgeordnetenwatch.de, und geben Sie uns gerne Bescheid, welche Antworten Sie bekommen.

Unsere Fragen lauten:

1. Rekrutierung minderjähriger Soldat*innen

Deutschland ist eines von wenigen Ländern weltweit, das den internationalen 18-Jahres-Standard bei der Rekrutierung von Soldatinnen nicht einhält (über 150 Länder halten ihn ein) und jedes Jahr minderjährige Jungen und Mädchen als Bundeswehrsoldatinnen einstellt, in den letzten 10 Jahren (seit 2011) waren es insgesamt über 14.000, im Jahr 2020 waren es 1.148.


• Wird Ihre Partei sich für die Anhebung des Bundeswehr-Rekrutierungsalters auf 18 Jahre einsetzen – wie es vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und von der Kinderkommission des Deutschen Bundestages gefordert wird?

2. Militärwerbung bei Minderjährigen

Die Bundeswehr wirbt mit teuren Kampagnen in den Sozialen Medien, auf Messen und Veranstaltungen bei Minderjährigen. Soldatinnen und Soldaten (Jugendoffiziere und Karriereberater) erreichen bei Schulbesuchen jedes Jahr mehrere Hunderttausend Schüler*innen, sie betreiben Imagewerbung und halten Vorträge vor Schulklassen. Die Risiken und Schattenseiten des Soldatenberufs werden dabei ganz verschwiegen oder unzureichend thematisiert, gleiches gilt für gedruckte Informations- und Werbematerialien der Bundeswehr.


• Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass Militärwerbung bei Minderjährigen gesetzlich verboten wird – wie es auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des Deutschen Bundestages fordern?

3. Sexuelle, körperliche und seelische Gewalt, Unfälle und weitere Risiken

Bei der Bundeswehr kommt es jedes Jahr zu schweren Unfällen und sexuellem Missbrauch. Die Zahl strafbarer sexueller Übergriffe, die von der Bundeswehr registriert werden, hat sich von 2015 (86) bis 2019 (345) vervierfacht. In den letzten drei Jahren waren laut Verteidigungsministerium davon mind. 17 Minderjährige betroffen. Minderjährige werden mit Erwachsenen zusammen untergebracht und an der Waffe militärisch ausgebildet, sie erlernen Kriegstechniken und wie man Menschen tötet.
• Wie will Ihre Partei künftig den Schutz minderjähriger Soldat*innen vor sexuellen Übergriffen, körperlicher und seelischer Gewalt, Unfällen, psychischen Schäden und anderen Risiken der Soldatenausbildung gewährleisten, zu denen die Bundeswehr nach nationalen und internationalen Gesetzen verpflichtet ist.

4. Datenerhebung zur Lage minderjähriger Soldat*innen

Zur Lage minderjähriger Soldatinnen in der Bundeswehr werden bisher keine Daten ausgewertet und veröffentlicht, obwohl sich diese Verpflichtung aus den Schutzpflichten der UN-Kinderrechtskonvention und ihres ersten Zusatzprotokolls ergibt und diese Daten vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes von Deutschland eingefordert wurden.

Wird Ihre Partei dafür sorgen, dass Daten zur Lage minderjähriger Soldatinnen in der Bundeswehr (zu sexuellem Missbrauch, Unfällen, Gesundheit inkl.
psychologische Gesundheit, physischer und psychischer Gewalt (inkl. Mobbing), Suiziden, Drogenmissbrauch, politischem Extremismus, vorzeitigem Abbruch oder Kündigung des Dienstverhältnisses, etc.) künftig mindestens einmal im Jahr ausgewertet und veröffentlicht werden?

Als dritte Partei haben die Linken auf unsere Wahlprüfsteine reagiert:

Deutschland ist eines von wenigen Ländern weltweit, das den internationalen 18-Jahres-Standard bei der Rekrutierung von Soldat*innen nicht einhält (über 150 Länder halten ihn ein) und jedes Jahr minderjährige Jungen und Mädchen als Bundeswehrsoldat*innen einstellt, in den letzten 10 Jahren (seit 2011) waren es insgesamt über 14.000, im Jahr 2020 waren es 1.148.

Wird Ihre Partei sich für die Anhebung des Bundeswehr-Rekrutierungsalters auf 18 Jahre einsetzen – wie es vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und von der Kinderkommission des Deutschen Bundestages gefordert wird?

Ja. Für DIE LINKE gilt klar das „Straight 18“-Ziel: Kein Kind unter 18 Jahren darf in Armeen, bewaffneten Gruppen oder anderen militärischen Verbänden eingesetzt oder geschult werden. Daher setzten wir uns dafür ein, dass keine Minderjährigen mehr für die Bundeswehr rekrutiert werden.

Die Bundeswehr wirbt mit teuren Kampagnen in den Sozialen Medien, auf Messen und Veranstaltungen bei Minderjährigen. Soldatinnen und Soldaten (Jugendoffiziere und Karriereberater) erreichen bei Schulbesuchen jedes Jahr mehrere Hunderttausend Schüler*innen, sie betreiben Imagewerbung und halten Vorträge vor Schulklassen. Die Risiken und Schattenseiten des Soldatenberufs werden dabei ganz verschwiegen oder unzureichend thematisiert, gleiches gilt für gedruckte Informations- und Werbematerialien der Bundeswehr.

Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass Militärwerbung bei Minderjährigen gesetzlich verboten wird – wie es auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des Deutschen Bundestages fordern?

Ja. Wir lehnen Werbung der Bundeswehr in Jobcentern, Schulen, auf Bildungs- und Ausbildungsmessen und in Hochschulen sowie die Reklame in der Öffentlichkeit ab. Insbesondere müssen alle Formen von Werbung wie zum Beispiel die Youtube-Serien der Bundeswehr, die sich gezielt an Kinder und Jugendliche, richten, beendet werden.

Bei der Bundeswehr kommt es jedes Jahr zu schweren Unfällen und sexuellem Missbrauch. Die Zahl strafbarer sexueller Übergriffe, die von der Bundeswehr registriert werden, hat sich von 2015 (86) bis 2019 (345) vervierfacht. In den letzten drei Jahren waren laut Verteidigungsministerium davon mind. 17 Minderjährige betroffen. Minderjährige werden mit Erwachsenen zusammen untergebracht und an der Waffe militärisch ausgebildet, sie erlernen Kriegstechniken und wie man Menschen tötet.

Wie will Ihre Partei künftig den Schutz minderjähriger Soldat*innen vor sexuellen Übergriffen, körperlicher und seelischer Gewalt, Unfällen, psychischen Schäden und anderen Risiken der Soldatenausbildung gewährleisten, zu denen die Bundeswehr nach nationalen und internationalen Gesetzen verpflichtet ist.

Wir möchten die Rekrutierung und die Ausbildung Minderjähriger durch die Bundeswehr grundsätzlich beenden. Solange dies nicht der Fall ist, muss mindestens die Ausbildung von Minderjährigen an Waffen sofort beendet werden, weiterhin müssen Schutzkonzepte zur Prävention und Intervention wie sie der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs fordert, auch in der Bundeswehr Anwendung finden.

Zur Lage minderjähriger Soldat*innen in der Bundeswehr werden bisher keine Daten ausgewertet und veröffentlicht, obwohl sich diese Verpflichtung aus den Schutzpflichten der UN-Kinderrechtskonvention und ihres ersten Zusatzprotokolls ergibt und diese Daten vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes von Deutschland eingefordert wurden.

Wird Ihre Partei dafür sorgen, dass Daten zur Lage minderjähriger Soldat*innen in der Bundeswehr (zu sexuellem Missbrauch, Unfällen, Gesundheit inkl. psychologische Gesundheit, physischer und psychischer Gewalt (inkl. Mobbing), Suiziden, Drogenmissbrauch, politischem Extremismus, vorzeitigem Abbruch oder Kündigung des Dienstverhältnisses, etc.) künftig mindestens einmal im Jahr ausgewertet und veröffentlicht werden?

Ja. Da es bisher kein kontinuierliches Berichtswesen zur Lage der Minderjährigen in der Bundeswehr gibt, haben Abgeordnete der LINKEN in der Vergangenheit immer wieder ihr Fragerecht genutzt, um entsprechende Daten veröffentlichen zu können. Solange Minderjährige durch die Bundeswehr rekrutiert werden, sollte entsprechende Daten erhoben und veröffentlicht werden.

Unsere Campaignerin Sarah Fontanarosa hat der Jungen Welt anlässlich unserer Aktionstage ein Interview zum Thema Minderjährige in der Bundeswehr gegeben.

Nachlesen könnt ihr es hier!

Als zweite Partei haben die Grünen auf unsere Wahlprüfsteine geantwortet:

1. Wird Ihre Partei sich für die Anhebung des Bundeswehr-Rekrutierungsalters auf 18 Jahre einsetzen – wie es vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und von der Kinderkommission des Deutschen Bundestages gefordert wird?

2004 hat Deutschland das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten ratifiziert und sich damit zu einem weitreichenden Schutz von Minderjährigen verpflichtet. Der Schutz von Kindern vor Gewalt darf aber nicht nur direkte bewaffnete Auseinandersetzungen im Blick haben, sondern muss auch die Vorbereitung auf diese einschließen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen und international glaubwürdig auftreten zu können, fordern wir GRÜNE, keine Minderjährigen für den Dienst in der Bundeswehr zu rekrutieren und dies auch gesetzlich zu verankern.

2. Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass Militärwerbung bei Minderjährigen gesetzlich verboten wird – wie es auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des Deutschen Bundestages fordern?

Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie alle anderen. Daher können auch nicht die gleichen Maßstäbe für die Bundeswehr und andere Organisationen bzw. Unternehmen bei der Personal- und Nachwuchsgewinnung gelten. Es braucht vielmehr klare Regeln, Grenzen und Leitplanken. Einseitige Werbung, die den Dienst bei der Bundeswehr als Abenteuercamp darstellt, verbietet sich. Wir GRÜNE fordern zudem eine strikte Trennung zwischen Informationsarbeit und Nachwuchswerbung an Schulen. Während ein kritischer und ausgewogener Austausch auch an Schulen möglich sein sollte, darf es keine gezielte Anwerbung oder Indoktrination Minderjähriger geben. Gemäß dem Beutelsbacher Konsens muss bei der Informationsarbeit an Schulen auch Raum für kontroverse und zivilgesellschaftliche Ansätze und Perspektiven vorhanden sein, um eine ganzheitliche friedens- und sicherheitspolitische Aufklärung sicherzustellen.

3. Wie wollen Sie künftig den Schutz minderjähriger Soldat*innen vor sexuellen Übergriffen, körperlicher und seelischer Gewalt, Unfällen, psychischen Schäden und anderen Risiken der Soldatenausbildung gewährleisten, zu denen die Bundeswehr nach nationalen und internationalen Gesetzen verpflichtet ist?

Sexuelle Übergriffe, körperliche und seelische Gewalt und andere herabsetzende oder diskrimminierende Handlungen müssen überall – auch in den Streitkräften – geächtet und verhindert werden. Minderjährige und junge Menschen bedürfen dabei stets eines besonderen Schutzes und der besonderen Fürsorge. Voraussetzung dafür sind Präventionsleitlinien, die stetige Sensibilisierung im Rahmen der Aus-/Weiterbildung und Personalführung, die Schaffung von vertrauenswürdigen Ansprechstellen (z.B. Gleichstellungsbeaufragte) und die rasche Klärung und ggf. Sanktionierung von Vorkommnissen. Verdachtsfälle gilt es vollumfänglich und schnellstmöglich aufzuklären. Den Betroffenen ist Schutz, Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.

4. Wird Ihre Partei dafür sorgen, dass Daten zur Lage minderjähriger Soldat*innen in der Bundeswehr (zu sexuellem Missbrauch, Unfällen, Gesundheit, politischem Extremismus, Kündigungen) künftig mindestens einmal im Jahr ausgewertet und veröffentlicht werden?

Die Bundeswehr verfügt über ein umfangreiches Meldewesen und ein breites Spektrum meldepflichtiger Ereignisse. Ein ehrlicher Aufklärungswille sowie eine umfassende Auswertung und Evaluation bilden die Voraussetzung, um nachzuvollziehen, wie es zu Fehlstrukturen und -verhalten, Führungsversagen, Machtmissbrauch oder extremistischen Vorfällen kommen konnte. In der Bundeswehr, in der die charakterliche Eignung aufgrund der sicherheitssensiblen Tätigkeit besondere Bedeutung haben muss, gilt es unbedingt die Aufklärung jeglicher Vorfälle (wie sexueller Missbrauch, Unfälle, Gesundheit, politischer Extremismus, Kündigungen) konsequent und transparent voranzutreiben. Nur so können Strategien zur effektiven Vermeidung entwickelt werden, Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden und Betroffene geeignete Hilfe erhalten. Eine praktizierte und gestärkte Innere Führung, verantwortungsbewusste Personalgewinnung und zeitgemäße, verbindliche politische Bildung sind ebenfalls bedeutsam.

  1. Wird Ihre Partei sich für die Anhebung des Bundeswehr-Rekrutierungsalters auf 18 Jahre einsetzen – wie es vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und von der Kinderkommission des Deutschen Bundestages gefordert wird?
    Antwort:
    Oft entscheiden junge Menschen schon vor Eintritt der Volljährigkeit, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen. Damit 17-Jährigen gegenüber gleichaltrigen Berufseinsteigern, die zivil ausgebildet werden, keine Nachteile mit ihrem Eintritt in die Bundeswehr entstehen, sollen sie auch künftig ihre Ausbildung bei der Truppe vor ihrem 18. Geburtstag beginnen können. In einem solchen Fall wird in intensiven Auswahlgesprächen überprüft, ob die Person die nötige Reife mitbringt. Sie braucht das Einverständnis der Erziehungsberechtigten und muss die Vollzeit-Schulpflicht erfüllt haben. 17-jährige Soldaten der Bundeswehr werden nicht in den Einsatz geschickt. Sie dürfen Schusswaffen ausschließlich zu Übungs- und Ausbildungszwecken verwenden. Zum Wachdienst in der Kaserne werden sie nicht eingeteilt, da hier ein möglicher Schusswaffengebrauch zwar unwahrscheinlich ist, aber nicht ausgeschlossen werden kann. Mit diesen Bestimmungen hält sich die Bundesrepublik Deutschland an ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen wie die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen.
  2. Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass Militärwerbung bei Minderjährigen gesetzlich verboten wird – wie es auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des Deutschen Bundestages fordern?
    Antwort:
    Da vor einer möglichen Einstellung die unter Antwort 1 genannten Voraussetzungen eingehalten werden müssen, ist es gerechtfertigt, dass die Bundeswehr Jugendliche ansprechen darf, die vor Vollendung des 18. Lebensjahres eine Berufswahl treffen möchten. Das ist in vielen Fällen eine wichtige Voraussetzung dafür, dass solche Jugendliche auf umfassende Informationsangebote über Berufsmöglichkeiten innerhalb der Bundeswehr aufmerksam gemacht werden.
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  3. Wie wollen Sie künftig den Schutz minderjähriger Soldat*innen vor sexuellen Übergriffen, körperlicher und seelischer Gewalt, Unfällen, psychischen Schäden und anderen Risiken der Soldatenausbildung gewährleisten, zu denen die Bundeswehr nach nationalen und internationalen Gesetzen verpflichtet ist?
    Antwort:
    Die Bindung des Handelns aller Soldatinnen und Soldaten an Recht und Gesetz ist Gegenstand der Dienstaufsicht der Vorgesetzten. Bereits in der Grundausbildung werden alle Soldatinnen und Soldaten über die Thematik „Gleichstellung, Gleichbehandlung und Umgang mit Sexualität“ unterrichtet, um dem Schutzbedarf gerecht zu werden. CDU und CSU werden dafür sorgen, dass in den Ausbildungsstätten der Bundeswehr auch künftig die jugendlichen Soldatinnen und Soldaten darüber hinaus unter dem besonderen Schutz und der zusätzlichen Aufsicht durch die Vorgesetzten stehen müssen.
  4. Wird Ihre Partei dafür sorgen, dass Daten zur Lage minderjähriger Soldat*innen (zu sexuellem Missbrauch, Unfällen, Gesundheit, politischem Extremismus, Kündigung) in der Bundeswehr künftig mindestens einmal im Jahr ausgewertet und veröffentlicht werden?
    Antwort:
    Die Zahl der minderjährigen Soldatinnen und Soldaten und die Zahl der Kündigungen aus diesem Personenkreis werden regelmäßig veröffentlicht. Im Rahmen des Meldewesens Innere und Soziale Lage der Bundeswehr müssen Verdachtsfälle auf entwürdigende Aufnahmerituale oder gewalttätige Übergriffe von den jeweiligen Dienststellen gemeldet werden. Ab 2018 werden gesondert Daten zu der Minderjährigkeit der betroffenen Soldaten erhoben. Auch die Wehrbeauftragte berichtet jährlich über wichtige Daten und Eingaben von 17-Jährigen oder deren gesetzlichen Vertretern. Auch durch Antworten der Bundesregierung oder die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Studien werden viele Daten zur Lage der 17-Jährigen bei der Bundeswehr der Öffentlichkeit bekannt.
+++ Newsletter vom 10.08.2021 +++ Neues Erklär-Video für Online-Tool „Widerspruch“ bei Bundeswehrwerbung

Dieses Mal haben wir den Newsletter kurz und knapp gehalten, denn es geht um ein ganz bestimmtes Thema: Die Weitergabe der Meldedaten von Minderjährigen an die Bundeswehr. Was wir uns dagegen überlegt haben und wie ihr es nutzen könnt, erfahrt ihr heute!

Viel Spaß beim Lesen (und Anschauen)!
Herzliche Grüße

Sarah Fontanarosa, Campaignerin



Immer wieder melden sich Jugendliche und deren Eltern bei uns, weil sie ungefragt Werbung von der Bundeswehr per Post erhalten. Viele sind davon sehr verärgert und wundern sich, woher die Bundeswehr ihre Adressen hat. Leider geben die Einwohnermeldeämter die Daten weiter, ohne dass man dem zustimmen muss. Aber: Ihr könnt widersprechen – und zwar mit unserem Online-Tool!

Damit ihr in nur zwei Minuten versteht, was es damit genau auf sich hat, und wie ihr das Ganze nutzen könnt, haben wir nun ein Erklär-Video erstellt.

Viel Spaß beim Anschauen und Teilen!

Immer wieder melden sich Jugendliche und deren Eltern bei uns, weil sie ungefragt Werbung von der Bundeswehr per Post erhalten. Viele sind davon sehr verärgert und wundern sich, woher die Bundeswehr ihre Adressen hat. Leider geben die Einwohnermeldeämter die Daten weiter, ohne dass man dem zustimmen muss. Aber: Ihr könnt widersprechen – und zwar mit unserem Online-Tool!

Damit ihr in nur zwei Minuten versteht, was es damit genau auf sich hat, und wie ihr das Ganze nutzen könnt, haben wir dieses Video erstellt. Viel Spaß beim Anschauen und Teilen!

Was haben wir bereits geschafft, und was haben wir noch vor?

Liebe Freundinnen und Freunde,

dies ist der achte Newsletter der Kampagne „Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“.

Vor Kurzem erhielten wir die Info, dass im letzten Jahr 1.148 Minderjährige von der Bundeswehr neu eingestellt wurden – wir haben also noch einiges zu tun, aber auch schon viel geschafft! Über dies und mehr möchten wir dich heute informieren:

1. Save The Date: Aktionstage im Sommer
2. Datenweitergabe an die Bundeswehr beenden: Mit unserem Widerspruchstool!
3. Gespräche mit Politiker*innen
4. Kritik an „Dein Jahr für Deutschland“

Viel Spaß beim Lesen!
Herzliche Grüße

Sarah Gräber, Campaignerin



1. Save The Date: Aktionstage im Sommer
Unser Aktionsmonat im letzten Juni war ein großer Erfolg. Deshalb haben wir uns entschlossen, auch diesen Sommer daran anzuknüpfen: Vom 21. August bis zum 05. September finden unsere Aktionstage statt! Mach mit bei den Aktionstagen:
 

  • Sammle Unterschriften für die Petition der Kampagne.
  • Werde aktiv und organisiere Infostände, Kundgebungen oder andere Aktionen, um auf die skandalöse Rekrutierungspraxis der Bundeswehr aufmerksam zu machen.
  • Bestelle und verteile Materialien der Kampagne. Aktionspakete mit Banner, Flyern, Aufklebern, Fact Sheets und großen Pappaufstellen schicken wir Dir gerne zu (schreib uns einfach: info@unter18nie.de).
  • Unterschreibe und verschicke unsere Postkarte, mit der du die Weitergabe deiner Daten an die Bundeswehr verbietest oder nutze dafür unser Online-Tool und verbreite es weiter.
  • Verfolge die Werbung der Bundeswehr auf YouTube kritisch und hinterlasse Kommentare, wenn es etwas zu sagen gibt.
  • Folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram, um nichts zu verpassen.
  • Komm ins Gespräch mit Politiker*innen aus deinem Wahlkreis und nutze dafür unseren Leitfaden.

Sei dabei, denn gemeinsam können wir etwas erreichen! Mehr Informationen folgen in Kürze.

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2. Datenweitergabe an die Bundeswehr beenden:
Mit unserem Widerspruchstool!

Du bist Jugendlicher und hast Werbung von der Bundeswehr im Briefkasten, die du nicht bekommen willst? Und wunderst du dich, woher sie überhaupt deine Adresse hat? Die Antwort ist: Vom Einwohnermeldeamt! Und das geschieht ohne deine Zustimmung. Aber du kannst dem Ganzen widersprechen! Und zwar mit einem ganz einfachen und automatischen Tool direkt hier auf unserer Webseite.
 

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3. Gespräche mit Politiker*innen + unsere Forderung im Wahlprogramm der Grünen

Seit dem letzten Newsletter hatte unsere Campaignerin Sarah Gräber die Möglichkeit, mit der Bundestagsabgeordneten Gökay Akbulut (Die Linke) bei einem Online-Meeting zu sprechen (siehe Foto rechts). Unsere Themen – die Rekrutierung Minderjähriger sowie die Bundeswehrwerbung, die sich an Jugendliche richtet – stießen bei ihr auf großes Interesse. Alle Beteiligten tauschten sich über die Gefahren aus, die damit einhergehen und stimmten gemeinsam nächste Schritte ab. Wir freuen uns darauf, künftig mit Frau Akbulut an der Erreichung unserer Ziele zu arbeiten.

Außerdem freuen wir uns über die Unterstützung von Eva Högl, der Wehrbeauftragten des Bundestags. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk wurde sie direkt auf unsere Kampagne angesprochen und hat bestätigt, dass sie unsere Forderungen unterstützt und sich für eine Erhöhung des Rekrutierungsalters auf 18 Jahre einsetzt:

„Sie kennen das Bündnis “Unter 18 nie!”. Würden Sie es unterschreiben?“ „Ich würde es unterschreiben. Ich setzte mich während meiner Amtszeit auch dafür ein, dass wir sagen: Bundeswehr ab 18, das ist früh genug.“

Das ganze Interview gibt es hier.

Sehr erfreulich ist, dass sich unsere Beharrlichkeit ausgezeichnet hat. Die Grünen haben unsere Forderung in ihr Wahlprogramm aufgenommen:

„Die Rekrutierung Minderjähriger sowie den bewaffneten Einsatz der Bundeswehr im Inneren lehnen wir ab und wollen den Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz beenden sowie die politische Bildung in Schulen, durch Stärkung ziviler Krisenprävention und Konfliktbearbeitung, gleichberechtigt gestalten.“

Übrigens: Auf www.unter18nie.de findest du die Wahlprüfsteine, die wir an alle Parteien (außer der AFD) in Vorbereitung auf die Bundestagswahl geschickt haben. Sobald wir Antworten erhalten, informieren wir euch.

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4. Kritik an „Dein Jahr für Deutschland“

Anfang April haben die ersten Rekrutinnen und Rekruten den neuen „Freiwilligendienst im Heimatschutz“ bei der Bundeswehr angetreten. Doch die von der Verteidigungsministerin vorangetriebene Initiative ist umstritten – vor allem, weil das neue Rekrutierungsformat, das schon Jungen und Mädchen ab 17 Jahren offensteht.

Die Rekrutinnen und Rekruten, die nun an insgesamt 13 Standorten ihren Dienst begonnen haben, bekommen zunächst eine dreimonatige militärische Grundausbildung, wie sie andere Soldatinnen und Soldaten auch erhalten. Nach dem ersten Quartal gehen sie dann in eine Spezialgrundausbildung. In diesen vier Monaten der Spezialausbildung lernen die Frauen und Männer vor allem „Objektschutz“. Das heißt: Das Sichern von bedeutenden Gebäuden, von Lagerstätten, von Brücken. Von einer Art „Wehrdienst light“ sprechen nicht wenige mit Blick auf den Freiwilligendienst. „Der neue Freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz ist ein Werbetrick, um gezielt junge Menschen und Minderjährige als Soldaten anzuwerben”, sagt unser Sprecher Ralf WIllinger von terre des hommes.

„Der neue Wehrdienst im Heimatschutz ist gerade für junge Schulabgänger*innen attraktiv und wird deshalb die Zahlen minderjähriger Soldatinnen und Soldaten weiter erhöhen“, sagt Armin Lauven von Pax Christi. „Die Grundrechte sind bei Soldatinnen und Soldaten sowieso stark eingeschränkt, die Kinderrechte werden regelmäßig schwer verletzt, es gibt, auch außerhalb der Auslandseinsätze, hohe Risiken. Das verdeutlicht glasklar: Die Bundeswehr ist kein Ort für minderjährige Jungen und Mädchen und jeder Wehrdienst, auch der neue Heimatschutz-Wehrdienst, muss sich auf Erwachsene beschränken!“

Wir werden auch an diesem Thema dranbleiben!